Kurzversion - der "TEDtalk" in bullet points
- Gewalt an Kindern = höheres Risiko von Femiziden
- Verharmlosende Berichterstattung gehört verboten
- Toxische Influencer müssen bekämpft werden
- Veganismus verringert Gewalt
- Militärische Konflikte = höheres Risiko von Gewalt an Frauen
- Männer brauchen sichere Ventile, um Dampf abzulassen
- Emotionen zeigen darf nicht tabu sein
- Restriktiver Umgang mit Alkohol
- Privater Waffenbesitz für Männer muss verboten werden
- Nordisches Modell EU-weit einführen
- Never Ending Story...
Langversion - der Essay für lange Wartezeiten, Klositzungen, ...
1. Gewalt an Kindern = höheres Risiko von Femiziden
Unter Gewalt an Kindern fällt emotionale Gewalt, verbale Gewalt (z. B. Beleidigungen), Anschreien, ..., physische Gewalt durch u. a. Ohrfeigen, Kratzen, Prügeln, ..., sexuelle Gewalt, Vernachlässigung usw. Obwohl physische Gewalt wie das Austeilen von Ohrfeigen in Österreich seit 1989 gesetzlich verboten ist, hält sich immer noch hartnäckig in manchen Gesellschaftsschichten die Meinung, dass eine "g'sunde Watsch'n" normal und nicht schädlich für die Entwicklung des Kindes wäre. Das ist ein Irrtum. Bitte korrigiert eure Mitmenschen, wenn ihr solche Ansichten hört, egal, ob diese Menschen selbst Eltern sind oder nicht. Jede:r Erwachsene:r hat einen Einfluss auf Kinder, entweder durch den Umgang mit Kindern aus der Verwandschaft, in der Öffentlichkeit oder im Beruf, als Betreuungsperson, oder indirekt, indem diese Person ihre toxischen Thesen mit anderen Erwachsenen teilt oder diese über Plattformen wie TikTok einem breiten Publikum zugänglich macht. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Ratgeber von Johanna Haarer "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind", der nur so vor schwarzer Pädagogik strotzt.
Ich denke, dass es wichtig ist, in der Erziehung Grenzen zu setzen bzw. Konsequenzen zu zeigen, aber - das ist der springende Punkt - ohne zu Mitteln der Schwarzen Pädagogik zu greifen. Harmlose, aber effektive Konsequenzen können z. B. sein: WLAN-Verbot, Smartphone-Verbot, Hausarrest, Streichen des Taschengeldes, Streichen von Fernsehzeit, Gartenarbeit, Sozialdienst in einer karitativen Einrichtung, zusätzliche Haushaltsaufgaben, ...
2. Verharmlosende Berichterstattung gehört verboten
In den Boulevardmedien wird nach Femiziden häufig das Narrativ des Täters übernommen. Die Tat wird verharmlost, indem Mord als "Beziehungsdrama" umschrieben wird. Das Verhalten des Täters wird durch Aufmerksamkeit generierende Zitate wie "Ich habe sie geliebt" oder "Heulkrampf in Zelle" relativiert, abgeschwächt oder entschuldigt, obwohl es für Mord keine Entschuldigung gibt und Täter die volle Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Die Verstorbene kann sich nicht mehr gegen sensationsgeile bzw. dem Täter freundlich gesinnte Berichterstattung wehren - wie soll sie ein Gegen-Statement abgeben können? Da es österreichische Boulevardblätter mit der journalistischen Ethik offenbar nicht so genau nehmen, muss verharmlosende Berichterstattung an die Streichung der Medienförderung und/oder Strafzahlungen geknüpft werden. Bei erstmaligem Vergehen kann z. B. die Medienförderung ein Monat lang gestrichen und eine Strafzahlung von 100 € geleistet werden, bei jedem erneuten Verstoß wächst die Geldstrafe um den Faktor 10. Die ausgebliebene Medienförderung und die Strafzahlungen sollen zweckgebunden an Frauenhäuser und für Buben- / Männerarbeit / Gewaltprävention gespendet werden. Jeder Zeitungsartikel, in dem versucht wird, das Verhalten eines Täters zu rechtfertigen oder zu verharmlosen, beeinflusst die Einstellung der Gesellschaft zu Frauen negativ. Immer noch tendieren Menschen zu victim blaming, wenn Ursachenforschung betrieben wird, und beschäftigen sich zu wenig mit dem Verhalten und der Verantwortung des Täters.
3. Toxische Influencer müssen bekämpft werden
Der Kampf gegen Femizide muss in großem Umfang online geführt werden, da sich junge Burschen und Männer hier radikalisieren und zu antifeministischen, toxischen Männern entwickeln können. Toxische Frauenbilder werden u. a. von den Tech Bros aus der Manosphere, in Incel-Kreisen und in rechtsextremen Kreisen propagiert. Content entsteht rascher, als er gelöscht werden kann. Deshalb müssen IT-Expert:innen Gegenkampagnen auf Instagram, TikTok, Facebook, Telegram usw. starten, bei denen Algorithmen ausgetrickst werden und junge Männer, die frauenfeindliche Inhalte konsumieren, feministische Inhalte angezeigt bekommen. Ein paar Personen sollten in Vollzeit angestellt werden, um Social Media Konten mit feministischem Content zu führen und daran zu arbeiten, unter Hasspostings, Tradwife-Inhalte und ähnliche Inhalte eine feministische Gegenperspektive zu posten. Das beste Argument gegen ein Tradwife-Leben z. B. ist die finanzielle Abhängigkeit von einem Mann und somit die fehlenden Alternativen, wenn dieser Mann gewalttätig wird. Wenn solche und ähnliche, inhaltlich korrekte und faktenbasierte Argumente unter frauenfeindlichen Postings als Kommentare hinterlassen werden, kann die Radikalisierung gebremst werden. Intelligente Social Media Anbieter:innen sollten einen entsprechenden Suchalgorithmus einführen und KI dafür einsetzen, entsprechende Gegenkommentare zu verfassen. Social Media Unternehmen stehen hier in der Verantwortung, ihre Algorithmen so zu ändern, dass beim Ansehen von frauenfeindlichem und gewaltverherrlichendem Content verpflichtend zwischendurch komplett gegenteilige Postings angezeigt werden. Diese sollen wie Werbeeinschaltungen nicht weggeklickt werden können. Dass Social Media Algorithmen darauf programmiert sind, mehr Inhalte wie jene anzuzeigen, die vom User konsumiert wurden, kann man bei frauenfeindlichen und Gewalt verherrlichenden Inhalten mit Anstiftung zu Gewalt bzw. fahrlässiger Tötung gleichsetzen.
4. Veganismus verringert Gewalt
Wenn man gewaltlos leben möchte, ergibt sich daraus der Veganismus als logische Konsequenz, da Tiere in der Tierproduktion sehr stark leiden müssen. Je mehr Empathie Menschen für Tiere entwickeln, je mehr Menschen den Veganismus für sich entdecken, desto positiver wirkt sich das auf Frauen aus, da Menschen mit stark ausgeprägter Empathie für Tiere meist auch respektvoll mit Frauen umgehen. Feminismus und Veganismus weisen Schnittmengen auf: Die Tierproduktindustrie kann als misogyn bezeichnet werden, da weibliche Tiere - sei es in der Ei-, Milch-, Fleisch- oder Kaviarproduktion - in der Lebensmittelindustrie ein Leben lang ausgebeutet und missbraucht werden. Milchkühe z. B. werden zwangsgeschwängert, gemolken, kurz nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt und nach dem Erreichen ca. eines Viertels ihres Lebensalters (5,5 Jahren, Lebenserwartung ca. 20 Jahre) getötet.
5. Militärische Konflikte = höheres Risiko von Gewalt an Frauen
Jeder militärische Konflikt erhöht das Risiko, dass Frauen von Männern Gewalt erleiden - sei es von den heimgekehrten Männern oder durch gezielte Anwendung von Gewalt wie z. B. durch Vergewaltigung. Friedensbemühungen sind keine abstrakten Überlegungen, sondern können Frauen vor Gewalt und dem Tod bewahren.
6. Männer und Buben brauchen sichere Ventile, um Dampf abzulassen
Buben und (vor allem traumatisierte) Männer benötigen sichere Ventile, um Dampf ablassen zu können. Gewalt an Frauen mit Femiziden am Ende einer langen Kette ist ein Ausdruck von Unfähigkeit, die eigenen Gefühle so zu verarbeiten, dass dabei niemand zu Schaden kommt. Daher muss von Kindesbeinen an mit Buben geübt werden, ihre Emotionen auf eine für sich und andere Menschen sichere Art auszudrücken. Am effektivsten sind wahrscheinlich Musik- und Kunstkurse, die z. B. als Teil der Bubenarbeit in Schulen gratis zur Verfügung gestellt werden sollten, z. B. als Pflichtfach für auffällige Schüler. Männer und Buben, die bereits durch Gewalt auffällig geworden sind, müssen psychologisch (verpflichtend) dabei unterstützt werden, ihre aggressiven Impulse zu kontrollieren.
7. Emotionen zeigen darf nicht tabu sein
Toxische Männer verlachen Männer, wenn diese in der Öffentlichkeit weinen oder andere als traditionell weiblich gelesene Emotionen zeigen. Dieses Verhalten kann dazu führen, dass Männer ihre Emotionen unterdrücken, in sich hineinfressen, ihren Schmerz nicht durch Weinen, sondern durch Aggressionen zeigen und diese später an ihren Partnerinnen auslassen. Dieses Gruppenverhalten sollte in Workshops diskutiert und dekonstruiert werden. In Kursen kann z. B. in den ersten paar Minuten ein Freiraum gegeben werden, in dem Buben / Männer voreinander weinen dürfen und aktiv dazu ermutigt werden, wenn sie etwas emotional belastet. Meditation wirkt sich auf alle Menschen positiv aus und kann dabei helfen, die Impulskontrolle zu stärken. Daher sollte es an allen Schulen eine wöchentliche verpflichtende, angeleitete Meditationsstunde geben. Um die Wirksamkeit zu erhöhen, kann diese an eine Yogastunde im Turnunterricht angehängt werden - nach körperlicher Auslastung kann man sich besser auf geistige Prozesse konzentrieren. Ebenso sollte zumindest einmal im Jahr ein verpflichtender Workshop für Buben abgehalten werden, in dem verschiedene Situationen, die mit Übergriffen zu tun haben, durchgespielt werden. Wenn Buben in einem spielerischen Setting lernen, wie es sich anfühlt, wenn sich jemand, der ihnen körperlich überlegen ist, unangenehm nähert, können sie verstehen, wie Frauen solche Situationen erleben, und werden Frauen eher in Ruhe lassen.
8. Restriktiver Umgang mit Alkohol
Alkoholmissbrauch führt zu permanenten Veränderungen im Gehirn, welche den Charakter in Richtung stärkerer Aggression verändern. Dadurch steigt das Risiko, dass Frauen und Kindern Gewalt angetan wird. Bekannt ist z. B., dass Frauen von Fußballfans einem höheren Risiko von Schlägen ausgesetzt sind, wenn deren Partner trinken und den Frust über die Niederlage der eigenen Mannschaft an der Frau auslassen. Alkohol ist kein Therapeutikum für seelische Leiden von Männern, wird aber leider von vielen Männern als solches verwendet, weil dies ein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten ist. In Österreich und vielen anderen Ländern werden die negativen Folgen und Risiken von Alkoholkonsum stark unterschätzt, da Alkoholkonsum Teil der Gesellschaftskultur ist. Je leichter Menschen Alkohol erhalten, desto höher ist das Risiko, dass jemand ein Suchtverhalten entwickelt. Daher sollte auf öffentlichen Veranstaltungen, staatlichen Empfängen, im Kunst- und Kulturbereich etc. gar kein Alkohol gratis ausgeschenkt werden, höchstens zum Kauf angeboten werden. Künstler:innen, die Stress- und Angstzustände oft mit Hilfe von Drogen managen, sind besonders stark gefährdet, Süchte zu entwickeln. Das ist kein Kollateralschaden, sondern zumindest teilweise vermeidbar. Hätten die Spielstätten z. B. Tim Bergling nicht Alkohol in Unmengen gratis nachgeschmissen, hätte er sich möglicherweise keiner Gallenblasen-OP unterziehen müssen. In Supermärkten dürfen keine Mengenrabatte auf alkoholische Produkte gegeben werden. Ein staatliches Monopol könnte wie in Schweden (Systembolaget) eingeführt werden. Menschen mit einer aktiven Alkoholerkrankung, die womöglich bereits gegen Frauen gewalttätig geworden sind, sollen in einem Blacklist-System erfasst werden können, damit für sie der Zugang zu Alkohol erschwert wird (was natürlich die Mithilfe der Patienten erfordert). Es wird geschätzt, dass 1400 Babys pro Jahr in Österreich mit FASD zur Welt kommen. Jeder dieser Fälle ist vermeidbar. Alkohol muss gesellschaftlich endlich als das gesehen werden, was es ist: ein Nervengift, das in jeder noch so kleinen Dosis schädlich ist - und entsprechend vorsichtig gehandhabt werden.
9. Privater Waffenbesitz für Männer muss verboten werden
Wenn jemand eine Waffe besitzt, besteht alleine durch deren Vorhandensein immer ein gewisses Risiko, dass diese Waffe benützt wird - was leider häufig auch bedeutet, dass sie gegen den Besitzer gerichtet oder als Werkzeug für erweiterten Suizid verwendet wird, z. B., wenn ein Mann mit der Pflege seiner Frau überfordert ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht. (Es gibt keine Lebensumstände, die Femizide rechtfertigen.) Natürlich ist es möglich, illegal an Waffen zu gelangen, aber indem der Zugang erschwert wird, kann man die Anzahl der Opfer verringern.
10. Nordisches Modell EU-weit einführen
Die Scham muss die Seite wechseln - es muss ein kollektives, in Gesetzform verankertes, Verständnis geben, dass Sexkauf zutiefst antifeministisch ist und Fortschritt im Sinne der Gleichberechtigung verhindert. Die Nachfrage nach Sex kann durch freiwillige Arbeiterinnen allein nicht gedeckt werden, ein hoher Anteil ist daher zwangsprostituiert - es handelt sich um eine moderne Form von Menschenhandel. Freier müssen sich genieren, diese Form von Gewalt an Frauen finanziell zu unterstützen und Frauen auszunützen. Die Verfügbarkeit von Sex gegen Geld fördert Gewalt an Frauen, weil Freier Prostituierte als Ware betrachten und entsprechend herablassend und gewaltvoll behandeln. Dieses negative Frauenbild wirkt sich auch auf den Umgang von Freiern mit allen anderen Frauen in deren Leben aus. Frauen werden nicht respektiert, Grenzen von Frauen werden bewusst überschritten.
11. Never Ending Story...
Hier gäbe es noch sehr viel zu schreiben, denn der Kampf gegen Gewalt an Frauen wird vermutlich nie aufhören. Es gibt viele Faktoren, die die Sicherheit von Frauen positiv oder negativ beeinflussen können. Z. B. halte ich für erwähnenswert, dass - u. a. aufgrund des Gender Pay Gaps, aber auch aus historischen Gründen - Kapital sehr ungleich verteilt ist und sich immer noch hauptsächlich in Männerhänden befindet. Das schafft Abhängigkeitsverhältnisse und erhöht das Risiko für Gewalt an Frauen. Erst, wenn das gesamte Kapital einer Nation zu gleichen Teilen unter Frauen und Männern verteilt ist, kann man annehmen, dass hier kein zusätzlicher Risikofaktor mehr existiert. Alle gesellschaftlichen Entwicklungen, die bestehende Krisen verschärfen oder sonstwie destabilisierend wirken, z. B. die globale Untätigkeit im Kampf gegen die Klimakrise, erhöhen auch das Risiko für Gewalt an Frauen. Ökonomische Ungleichgewichte, Ressourcenknappheit, bewaffnete Konflikte, aber auch das derzeitige gesellschaftspolitische Klima in Österreich bedrohen die Sicherheit von Frauen. Wir driften seit mindestens zehn Jahren langsam, aber stetig weiter nach rechts, was leider auch bedeutet, dass antifeministische und autoritäre Vorstellungen an Kraft gewinnen. Auf feministischen Meilensteinen darf man sich nicht ausruhen, da sie leider einem ständigen Erosionsprozess ausgesetzt sind. Wir müssen unbequem bleiben und weiterkämpfen. Im selben Moment, in dem man untätig wird, kommt ein Rechter daher und erschwert Frauen z. B. den Zugang zu Abtreibung...
In Hinblick auf die Jahreszeit schließe ich mit einem Zitat von Frankie goes to Hollywood:
Make love your goal...














