Dienstag, 23. Dezember 2025

Ein wirksamer Weg zu null Femiziden

Kurzversion - der "TEDtalk" in bullet points

  1. Gewalt an Kindern = höheres Risiko von Femiziden
  2. Verharmlosende Berichterstattung gehört verboten
  3. Toxische Influencer müssen bekämpft werden
  4. Veganismus verringert Gewalt
  5. Militärische Konflikte = höheres Risiko von Gewalt an Frauen
  6. Männer brauchen sichere Ventile, um Dampf abzulassen
  7. Emotionen zeigen darf nicht tabu sein
  8. Restriktiver Umgang mit Alkohol
  9. Privater Waffenbesitz für Männer muss verboten werden
  10. Nordisches Modell EU-weit einführen
  11. Never Ending Story...

Langversion - der Essay für lange Wartezeiten, Klositzungen, ...

1. Gewalt an Kindern = höheres Risiko von Femiziden

Unter Gewalt an Kindern fällt emotionale Gewalt, verbale Gewalt (z. B. Beleidigungen), Anschreien, ..., physische Gewalt durch u. a. Ohrfeigen, Kratzen, Prügeln, ..., sexuelle Gewalt, Vernachlässigung usw. Obwohl physische Gewalt wie das Austeilen von Ohrfeigen in Österreich seit 1989 gesetzlich verboten ist, hält sich immer noch hartnäckig in manchen Gesellschaftsschichten die Meinung, dass eine "g'sunde Watsch'n" normal und nicht schädlich für die Entwicklung des Kindes wäre. Das ist ein Irrtum. Bitte korrigiert eure Mitmenschen, wenn ihr solche Ansichten hört, egal, ob diese Menschen selbst Eltern sind oder nicht. Jede:r Erwachsene:r hat einen Einfluss auf Kinder, entweder durch den Umgang mit Kindern aus der Verwandschaft, in der Öffentlichkeit oder im Beruf, als Betreuungsperson, oder indirekt, indem diese Person ihre toxischen Thesen mit anderen Erwachsenen teilt oder diese über Plattformen wie TikTok einem breiten Publikum zugänglich macht. Ein trauriges Beispiel hierfür ist der Ratgeber von Johanna Haarer "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind", der nur so vor schwarzer Pädagogik strotzt.

Ich denke, dass es wichtig ist, in der Erziehung Grenzen zu setzen bzw. Konsequenzen zu zeigen, aber - das ist der springende Punkt - ohne zu Mitteln der Schwarzen Pädagogik zu greifen. Harmlose, aber effektive Konsequenzen können z. B. sein: WLAN-Verbot, Smartphone-Verbot, Hausarrest, Streichen des Taschengeldes, Streichen von Fernsehzeit, Gartenarbeit, Sozialdienst in einer karitativen Einrichtung, zusätzliche Haushaltsaufgaben, ... 

2. Verharmlosende Berichterstattung gehört verboten

In den Boulevardmedien wird nach Femiziden häufig das Narrativ des Täters übernommen. Die Tat wird verharmlost, indem Mord als "Beziehungsdrama" umschrieben wird. Das Verhalten des Täters wird durch Aufmerksamkeit generierende Zitate wie "Ich habe sie geliebt" oder "Heulkrampf in Zelle" relativiert, abgeschwächt oder entschuldigt, obwohl es für Mord keine Entschuldigung gibt und Täter die volle Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Die Verstorbene kann sich nicht mehr gegen sensationsgeile bzw. dem Täter freundlich gesinnte Berichterstattung wehren - wie soll sie ein Gegen-Statement abgeben können? Da es österreichische Boulevardblätter mit der journalistischen Ethik offenbar nicht so genau nehmen, muss verharmlosende Berichterstattung an die Streichung der Medienförderung und/oder Strafzahlungen geknüpft werden. Bei erstmaligem Vergehen kann z. B. die Medienförderung ein Monat lang gestrichen und eine Strafzahlung von 100 € geleistet werden, bei jedem erneuten Verstoß wächst die Geldstrafe um den Faktor 10. Die ausgebliebene Medienförderung und die Strafzahlungen sollen zweckgebunden an Frauenhäuser und für Buben- / Männerarbeit / Gewaltprävention gespendet werden. Jeder Zeitungsartikel, in dem versucht wird, das Verhalten eines Täters zu rechtfertigen oder zu verharmlosen, beeinflusst die Einstellung der Gesellschaft zu Frauen negativ. Immer noch tendieren Menschen zu victim blaming, wenn Ursachenforschung betrieben wird, und beschäftigen sich zu wenig mit dem Verhalten und der Verantwortung des Täters.

3. Toxische Influencer müssen bekämpft werden

Der Kampf gegen Femizide muss in großem Umfang online geführt werden, da sich junge Burschen und Männer hier radikalisieren und zu antifeministischen, toxischen Männern entwickeln können. Toxische Frauenbilder werden u. a. von den Tech Bros aus der Manosphere, in Incel-Kreisen und in rechtsextremen Kreisen propagiert. Content entsteht rascher, als er gelöscht werden kann. Deshalb müssen IT-Expert:innen Gegenkampagnen auf Instagram, TikTok, Facebook, Telegram usw. starten, bei denen Algorithmen ausgetrickst werden und junge Männer, die frauenfeindliche Inhalte konsumieren, feministische Inhalte angezeigt bekommen. Ein paar Personen sollten in Vollzeit angestellt werden, um Social Media Konten mit feministischem Content zu führen und daran zu arbeiten, unter Hasspostings, Tradwife-Inhalte und ähnliche Inhalte eine feministische Gegenperspektive zu posten. Das beste Argument gegen ein Tradwife-Leben z. B. ist die finanzielle Abhängigkeit von einem Mann und somit die fehlenden Alternativen, wenn dieser Mann gewalttätig wird. Wenn solche und ähnliche, inhaltlich korrekte und faktenbasierte Argumente unter frauenfeindlichen Postings als Kommentare hinterlassen werden, kann die Radikalisierung gebremst werden. Intelligente Social Media Anbieter:innen sollten einen entsprechenden Suchalgorithmus einführen und KI dafür einsetzen, entsprechende Gegenkommentare zu verfassen. Social Media Unternehmen stehen hier in der Verantwortung, ihre Algorithmen so zu ändern, dass beim Ansehen von frauenfeindlichem und gewaltverherrlichendem Content verpflichtend zwischendurch komplett gegenteilige Postings angezeigt werden. Diese sollen wie Werbeeinschaltungen nicht weggeklickt werden können. Dass Social Media Algorithmen darauf programmiert sind, mehr Inhalte wie jene anzuzeigen, die vom User konsumiert wurden, kann man bei frauenfeindlichen und Gewalt verherrlichenden Inhalten mit Anstiftung zu Gewalt bzw. fahrlässiger Tötung gleichsetzen. 

4. Veganismus verringert Gewalt

Wenn man gewaltlos leben möchte, ergibt sich daraus der Veganismus als logische Konsequenz, da Tiere in der Tierproduktion sehr stark leiden müssen. Je mehr Empathie Menschen für Tiere entwickeln, je mehr Menschen den Veganismus für sich entdecken, desto positiver wirkt sich das auf Frauen aus, da Menschen mit stark ausgeprägter Empathie für Tiere meist auch respektvoll mit Frauen umgehen. Feminismus und Veganismus weisen Schnittmengen auf: Die Tierproduktindustrie kann als misogyn bezeichnet werden, da weibliche Tiere - sei es in der Ei-, Milch-, Fleisch- oder Kaviarproduktion - in der Lebensmittelindustrie ein Leben lang ausgebeutet und missbraucht werden. Milchkühe z. B. werden zwangsgeschwängert, gemolken, kurz nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt und nach dem Erreichen ca. eines Viertels ihres Lebensalters (5,5 Jahren, Lebenserwartung ca. 20 Jahre) getötet.

5. Militärische Konflikte = höheres Risiko von Gewalt an Frauen

Jeder militärische Konflikt erhöht das Risiko, dass Frauen von Männern Gewalt erleiden - sei es von den heimgekehrten Männern oder durch gezielte Anwendung von Gewalt wie z. B. durch Vergewaltigung. Friedensbemühungen sind keine abstrakten Überlegungen, sondern können Frauen vor Gewalt und dem Tod bewahren.

6. Männer und Buben brauchen sichere Ventile, um Dampf abzulassen

Buben und (vor allem traumatisierte) Männer benötigen sichere Ventile, um Dampf ablassen zu können. Gewalt an Frauen mit Femiziden am Ende einer langen Kette ist ein Ausdruck von Unfähigkeit, die eigenen Gefühle so zu verarbeiten, dass dabei niemand zu Schaden kommt. Daher muss von Kindesbeinen an mit Buben geübt werden, ihre Emotionen auf eine für sich und andere Menschen sichere Art auszudrücken. Am effektivsten sind wahrscheinlich Musik- und Kunstkurse, die z. B. als Teil der Bubenarbeit in Schulen gratis zur Verfügung gestellt werden sollten, z. B. als Pflichtfach für auffällige Schüler. Männer und Buben, die bereits durch Gewalt auffällig geworden sind, müssen psychologisch (verpflichtend) dabei unterstützt werden, ihre aggressiven Impulse zu kontrollieren.

7. Emotionen zeigen darf nicht tabu sein

Toxische Männer verlachen Männer, wenn diese in der Öffentlichkeit weinen oder andere als traditionell weiblich gelesene Emotionen zeigen. Dieses Verhalten kann dazu führen, dass Männer ihre Emotionen unterdrücken, in sich hineinfressen, ihren Schmerz nicht durch Weinen, sondern durch Aggressionen zeigen und diese später an ihren Partnerinnen auslassen. Dieses Gruppenverhalten sollte in Workshops diskutiert und dekonstruiert werden. In Kursen kann z. B. in den ersten paar Minuten ein Freiraum gegeben werden, in dem Buben / Männer voreinander weinen dürfen und aktiv dazu ermutigt werden, wenn sie etwas emotional belastet. Meditation wirkt sich auf alle Menschen positiv aus und kann dabei helfen, die Impulskontrolle zu stärken. Daher sollte es an allen Schulen eine wöchentliche verpflichtende, angeleitete Meditationsstunde geben. Um die Wirksamkeit zu erhöhen, kann diese an eine Yogastunde im Turnunterricht angehängt werden - nach körperlicher Auslastung kann man sich besser auf geistige Prozesse konzentrieren. Ebenso sollte zumindest einmal im Jahr ein verpflichtender Workshop für Buben abgehalten werden, in dem verschiedene Situationen, die mit Übergriffen zu tun haben, durchgespielt werden. Wenn Buben in einem spielerischen Setting lernen, wie es sich anfühlt, wenn sich jemand, der ihnen körperlich überlegen ist, unangenehm nähert, können sie verstehen, wie Frauen solche Situationen erleben, und werden Frauen eher in Ruhe lassen.

8. Restriktiver Umgang mit Alkohol

Alkoholmissbrauch führt zu permanenten Veränderungen im Gehirn, welche den Charakter in Richtung stärkerer Aggression verändern. Dadurch steigt das Risiko, dass Frauen und Kindern Gewalt angetan wird. Bekannt ist z. B., dass Frauen von Fußballfans einem höheren Risiko von Schlägen ausgesetzt sind, wenn deren Partner trinken und den Frust über die Niederlage der eigenen Mannschaft an der Frau auslassen. Alkohol ist kein Therapeutikum für seelische Leiden von Männern, wird aber leider von vielen Männern als solches verwendet, weil dies ein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten ist. In Österreich und vielen anderen Ländern werden die negativen Folgen und Risiken von Alkoholkonsum stark unterschätzt, da Alkoholkonsum Teil der Gesellschaftskultur ist. Je leichter Menschen Alkohol erhalten, desto höher ist das Risiko, dass jemand ein Suchtverhalten entwickelt. Daher sollte auf öffentlichen Veranstaltungen, staatlichen Empfängen, im Kunst- und Kulturbereich etc. gar kein Alkohol gratis ausgeschenkt werden, höchstens zum Kauf angeboten werden. Künstler:innen, die Stress- und Angstzustände oft mit Hilfe von Drogen managen, sind besonders stark gefährdet, Süchte zu entwickeln. Das ist kein Kollateralschaden, sondern zumindest teilweise vermeidbar. Hätten die Spielstätten z. B. Tim Bergling nicht Alkohol in Unmengen gratis nachgeschmissen, hätte er sich möglicherweise keiner Gallenblasen-OP unterziehen müssen. In Supermärkten dürfen keine Mengenrabatte auf alkoholische Produkte gegeben werden. Ein staatliches Monopol könnte wie in Schweden (Systembolaget) eingeführt werden. Menschen mit einer aktiven Alkoholerkrankung, die womöglich bereits gegen Frauen gewalttätig geworden sind, sollen in einem Blacklist-System erfasst werden können, damit für sie der Zugang zu Alkohol erschwert wird (was natürlich die Mithilfe der Patienten erfordert). Es wird geschätzt, dass 1400 Babys pro Jahr in Österreich mit FASD zur Welt kommen. Jeder dieser Fälle ist vermeidbar. Alkohol muss gesellschaftlich endlich als das gesehen werden, was es ist: ein Nervengift, das in jeder noch so kleinen Dosis schädlich ist - und entsprechend vorsichtig gehandhabt werden.

9. Privater Waffenbesitz für Männer muss verboten werden

Wenn jemand eine Waffe besitzt, besteht alleine durch deren Vorhandensein immer ein gewisses Risiko, dass diese Waffe benützt wird - was leider häufig auch bedeutet, dass sie gegen den Besitzer gerichtet oder als Werkzeug für erweiterten Suizid verwendet wird, z. B., wenn ein Mann mit der Pflege seiner Frau überfordert ist und keinen anderen Ausweg mehr sieht. (Es gibt keine Lebensumstände, die Femizide rechtfertigen.) Natürlich ist es möglich, illegal an Waffen zu gelangen, aber indem der Zugang erschwert wird, kann man die Anzahl der Opfer verringern.

10. Nordisches Modell EU-weit einführen

Die Scham muss die Seite wechseln - es muss ein kollektives, in Gesetzform verankertes, Verständnis geben, dass Sexkauf zutiefst antifeministisch ist und Fortschritt im Sinne der Gleichberechtigung verhindert. Die Nachfrage nach Sex kann durch freiwillige Arbeiterinnen allein nicht gedeckt werden, ein hoher Anteil ist daher zwangsprostituiert - es handelt sich um eine moderne Form von Menschenhandel. Freier müssen sich genieren, diese Form von Gewalt an Frauen finanziell zu unterstützen und Frauen auszunützen. Die Verfügbarkeit von Sex gegen Geld fördert Gewalt an Frauen, weil Freier Prostituierte als Ware betrachten und entsprechend herablassend und gewaltvoll behandeln. Dieses negative Frauenbild wirkt sich auch auf den Umgang von Freiern mit allen anderen Frauen in deren Leben aus. Frauen werden nicht respektiert, Grenzen von Frauen werden bewusst überschritten.

11. Never Ending Story...

Hier gäbe es noch sehr viel zu schreiben, denn der Kampf gegen Gewalt an Frauen wird vermutlich nie aufhören. Es gibt viele Faktoren, die die Sicherheit von Frauen positiv oder negativ beeinflussen können. Z. B. halte ich für erwähnenswert, dass - u. a. aufgrund des Gender Pay Gaps, aber auch aus historischen Gründen - Kapital sehr ungleich verteilt ist und sich immer noch hauptsächlich in Männerhänden befindet. Das schafft Abhängigkeitsverhältnisse und erhöht das Risiko für Gewalt an Frauen. Erst, wenn das gesamte Kapital einer Nation zu gleichen Teilen unter Frauen und Männern verteilt ist, kann man annehmen, dass hier kein zusätzlicher Risikofaktor mehr existiert. Alle gesellschaftlichen Entwicklungen, die bestehende Krisen verschärfen oder sonstwie destabilisierend wirken, z. B. die globale Untätigkeit im Kampf gegen die Klimakrise, erhöhen auch das Risiko für Gewalt an Frauen. Ökonomische Ungleichgewichte, Ressourcenknappheit, bewaffnete Konflikte, aber auch das derzeitige gesellschaftspolitische Klima in Österreich bedrohen die Sicherheit von Frauen. Wir driften seit mindestens zehn Jahren langsam, aber stetig weiter nach rechts, was leider auch bedeutet, dass antifeministische und autoritäre Vorstellungen an Kraft gewinnen. Auf feministischen Meilensteinen darf man sich nicht ausruhen, da sie leider einem ständigen Erosionsprozess ausgesetzt sind. Wir müssen unbequem bleiben und weiterkämpfen. Im selben Moment, in dem man untätig wird, kommt ein Rechter daher und erschwert Frauen z. B. den Zugang zu Abtreibung...

In Hinblick auf die Jahreszeit schließe ich mit einem Zitat von Frankie goes to Hollywood:

Make love your goal...

Freitag, 30. April 2021

1210: Ende Floridsdorfer Hauptstrasse / Anfang Brünner Strasse [Gefahr]

 Hier endet auf einmal abrupt der Radweg (Höhe Brünner Strasse 1).



Gleich danach ist es besonders unangenehm, hier Rad zu fahren: Ganz links Strassenbahntrasse, links ein Fahrstreifen für PKW, an dessen rechten Rand ich mich quetschen muss, rechts daneben parkende Autos, die mich jederzeit durch dooring k.o. setzen könnten. Aber auch bei etwas mehr Platz ist es nicht angenehm, ohne jeglichen Schutzbereich am Verkehr teilnehmen zu müssen und auf den guten Willen der Autofahrer*innen angewiesen zu sein.



Viele Querstrassen später, ab Katsushikastrasse (Höhe Brünner Strasse 158), taucht urplötzlich wieder ein Radweg auf.



Ich möchte der B7 folgen können wie jede*r andere Verkehrsteilnehmer*in auch.

Forderung: Der B7-Radweg stadtauswärts soll durchgehend rechts neben den KFZ-Fahrstreifen verlaufen.

1210/1200: Floridsdorfer Brücke [Gefahr]

Forderung: Die Floridsdorfer Brücke soll einen beidseitigen Radweg oder Mehrzweckstreifen bekommen. Die aktuelle Streckenführung ist sehr gefährlich, umständlich und unlogisch.

Stadtauswärts fahrend:

Der Radweg endet abrupt. Um weiterzufahren, muss man als Radfahrer an dieser Stelle via Fussgängerübergang (!!!) die Strasse überqueren, damit man den Radweg weiter nutzen kann. Viel logischer wäre es, wenn der Radweg auf derselben Seite weitergehen würde.







Unten angekommen muss man erneut die Strassenseite wechseln, um auf dem Radweg weiterfahren zu können.





Stadteinwärts fahrend:

Der Radweg endet auf einmal in der Leere. Wenn man geradeaus weiterfährt, kommt man auf einen breiten Gehsteig, der nicht als Radweg deklariert ist, aber dennoch am meisten Platz bietet und die sinnvollste Fortsetzung des Radweges *wäre*. Auch in dieser Richtung ist Überqueren via Fussübergang notwendig, wenn man die Fahrt auf einem Radweg fortsetzen will. Die andere Option wäre, auf der Strasse rechts mitzufahren und sich von 70 km/h fahrenden Autos bei Minimalabstand überholen zu lassen. Ebenfalls ärgerlich und gefährlich.





Hier ist auf einmal der Radweg aus. Soll ich mich jetzt in Luft auflösen?

Samstag, 3. November 2018

Köpenhamn – Göteborg 2018-11-03


The afternoon sun is shining into the train wagon and onto wide green fields adorned with pittoresque farm houses, slowly rotating windmills and cow herds. Straw is bundled together in big white packs that look like giant marshmallows. Much as expected, getting onto the Öresundståg back home was not so easy. First, we took a train from Copenhagen C to Kastrup, from where we changed to a replacement bus. The bus queue was impressively long: adults, elderly people sitting on benches, babies crying, tourists asking Swedes for explanations in English… until, thankfully, four buses arrived at the same time. Since the Swedish are used to Skånetrafiken, no riots had broken out – everyone just endured their fate. We boarded the last, typical Skånetrafik-yellow bus and formatted one trolley, one backpack, a handbag and the two of us onto one seat. Astonishingly, even though many people wanted to board the bus, not everyone was this considerate. Despite a short motivational speech in finest skånska by our bus driver, no passengers wanted to fill up the back seats, thereby clogging the main bus space and preventing others from boarding the same bus. Since further buses were going to pick up travellers, the driver closed the doors and drove off.

On the bus, we were discussing last night’s concerts. Checking in at the hotel had been successful, and the venue was just a 20 minutes walk away, which gave us the opportunity for some nocturnal sightseeing. After an obligatory coffee and pistachio bulle refreshment, we arrived at the third floor of Huset KBH. It features a bar on the ground floor, various artistic projects on different floors, and people would sometimes go from one floor to another to check out different events in the same house.

It was great to say hello to everyone. The soundcheck had already been completed, and Ras and Rune were explaining the basics about how to work the entrance booth to Einar and me. We took turns, which means that I could enjoy the first two bands of the night before it was my turn to sit at the entrance. Meanwhile, Einar was recording live video and audio footage of the bands. What I enjoyed most about the first band Ætervader was the combination of electronic music with a live violin, sometimes playing an entirely different melody. Next came Navy Bruise – who would not survive for long on Star Trek, since they were wearing red shirts – who had a great singer and knew how to engage - apologies for the pun - the audience. Party vibes were strong in the crowd.

The most difficult part of working at the entrance was not knowing and recognising the faces of visitors who had already paid, since I took over at a later time. Thankfully, Rune helped me out and many people showed me the stamp on their hands. A smaller challenge was to familiarise myself with Danish currency in less than optimal light. The other available option was MobilePay, the Danish variety of Swish. With one eye on the people coming to the venue and the other eye on the stage, I watched as Ras, Mie and Laerke started to play. They performed both Ras classics like e.g. Snödrottningen and Load Error and well-chosen covers such as Klaus Nomi’s Total Eclipse and Ohm Sweet Ohm by Kraftwerk. Between bands, various DJs were playing short sets. Although the flow of people had pretty much ebbed by the time Fake the Envy were going to play, about twenty people in total were still coming to the venue. Some of them were hoping to get their first Tuborg Christmas beer. The night the first Christmas beer is released in Denmark is commonly known as ”Jayday” and usually leads to more drunk Danes than on average club nights. However, there was no Christmas beer at our venue. Since both Einar and I were rather tired from work in the morning and travelling, we left after Fake the Envy had finished playing and thanked Ras and colleagues for hosting us – it is always fun to work with them.

Breakfast and housing were exactly as you would imagine for a budget of around 800 SEK for two people per night – sufficient, but not overly exciting. However, the view of the roofs of Copenhagen from the third floor was amazing. Warm sunshine and a perfectly blue sky invited us to take a walk in the city. We stopped for delicious coffee on the way from the city centre to Kongens Have, a park we chose as a photo location for the traditional wooden elk travel photo. We saw carps jumping out of the water, ducks, seagulls and many dogs. With our Vitamin D reservoirs refilled, we passed Tivoli as we headed for the main train station.

Crossing the Öresundsbridge from Denmark back to Sweden often comes with passport controls, as it does this time. The customs officers first ask all travellers to show their passports, but cannot walk through the bus, since it is too crammed with people. Then, some passengers are asked to exit the bus in order for the customs dog, a cute brown medium-sized dog, to walk through the bus. Another customs officer checks some passports of passengers in the hind section of the bus, thereby prolonging our stay, while the customs officer with the dog tells a traveller, ”Don’t touch the dog, it’s a working dog. You are not allowed to touch the dog. I don’t have to tell you that, do I?” with a notably arrogant attitude. How ironic that an institution named ”customs” does not have any.

The replacement bus stops at Hyllie where we are greeted by a futuristic, UFO-like monument not unlike the water towers of Gothenburg. It is, obviously, another vattentorn (As is obvious from my way of thinking, Einar and I have been touring the water towers of Gothenburg)... Leaving Malmö Arena behind, we board the next Pågatåg, get out at Malmö C and quickly buy tickets for the rest of the journey and refreshments before we board the Öresundståg again.

Train travelling sometimes rewards you with a landscape like in an oil painting. The combination of the setting afternoon sun shining its mellow light on windmills and the deep blue sea is amazingly pretty. It almost makes up for the inconveniences you encounter on weekends with railway work – almost, not entirely. As if one replacement bus was not enough, we have to change to a bus again at Halmstad, get out at Varberg and then continue to Göteborg C by train again. That’s four changes as opposed to zero – Skånetrafiken strikes again! Just like in life, humour is the only long-term viable survival strategy.

The shuttle driver from Halmstad to Varberg must have been a good driver, since I drifted off to sleep, which indicates someone who does not brake abruptly and drives gently. We pick up my trolley and board the Öresundståg that is ready at the station, but not about to leave Varberg for another 25 long minutes. While Einar is understandably frustrated by the chaos at Kastrup, the many changes and the long wait right now, I am not even upset anymore since I am so used to travelling with Skånetrafiken. However, I do think it would be more customer minded to charge a reduced fee for the ticket on weekends with a lot of railway work and resulting longer travelling times, even if information about the planned work is published online in advance. Pro tip: Temper tantrums usually do not yield the kind of response you wish for, whereas asking nicely and arguing logically often does the trick.

It is surprisingly quiet in the train, apart from the occasional phone call, crying toddler and opening or closing doors. What will happen on the remaining 75 km of the journey – will the train break down? Will travellers throw themselves off the train in desperation? We hope not, but at this point, it would not surprise us, either. Is it irony or lack of people skills that the train conductor still wishes us ”en trevlig resa” (an enjoyable journey)? He encourages us to try applying for a price reduction but cannot give us any guarantees, and I am so tired that I wonder if the prospect of getting a price reduction of perhaps 100 kr is really worth the time and effort. Upon careful consideration, I have decided not to pursue this matter any further because the effort vs potential yield ratio is not worth it.

Göteborg – Köpenhamn 2018-11-02


The doors of the Öresundståg are closing as Einar and I make our way to Copenhagen. He tries to distract me from writing, but does not succeed. The Öresundståg is an ancient means of transportation: no WIFI on board (yes, it’s 2018) and about as much space as in a sardine tin can. Two charming ladies opposite of me are having lunch as I am writing, and it is a miracle that we have enough space for all of this. Autumn colours, the motorways of Göteborg and grey clouds are flying past me. The direction of our journey is easy to guess – both the train stewardess and the train stop announcer are talking a light variant of skånska. It is quite cosy here. The train is rolling ahead in the direction of Copenhagen, and the ambient hum of rolling wheels, passenger chatter and acceleration is occasionally interrupted by announcements, beeping doors or the whistle of the train conductor.

Compared to driving a car, train rides are very peaceful and social. The train window exposes plenty of animals – horses, sheep, cows -, and since neither of us has to drive, we can use the time to solve crossword puzzles or do creative work. A landmark right outside Göteborg worth seeing is a Super Mario statue.

I am on my way to Huset KBH, a venue where four Danish electro artists will perform tonight. Among them is one of the driving forces behind the Odense and Copenhagen scene: Ras Bolding, a futurepop artist with warm affection for the Commodore 64 and characteristic Harlequinesque black-and-white outfits. At this year’s Bodyfest in Stockholm, I picked up some matching black-and-white-squared tights, to which I am wearing a black skirt and a white blouse. Another souvenir from Bodyfest is placed on my blouse: an ”ae” broche that stands for the Danish letter ae in Leaether Strip. Not even my handbag is an ordinary handbag tonight, since I have exchanged my usual violet cotton bag for a more elegant black cotton bag with the three Covenant ”The Blinding Dark” intertwined eyes on the front. Inside are three bags with chocolate, licorice and praliné cookies for Ras and all the other artists. I will be working at the entrance, and Einar has volunteered for work too, but his main focus will be taking photos and videos of all performing bands and the guests.

This weekend, Skånetragiken stays true to its name again: there will be no train traffic between Malmö and Copenhagen on the weekend – which means travelling by bus instead. As a seasoned commuter, you learn to take these minor inconveniences as they come and use the unforeseen stop in Malmö to have a coffee break…

We booked a hotel in the city centre with free WiFi and breakfast for an astonishingly low price – you only live once. If the night is not too draining, I will go for a longjog tomorrow and enjoy the city au courant.

Mittwoch, 7. September 2016

Japan: Ein Reisebericht

Nachfolgend ein Reisebericht meines zweiwöchigen Aufenthaltes in Japan im August 2016. Fotos gibt es hier.

Actionreich fing die Reise an! Ich hatte meinen Flug über Finnair gebucht und musste in Helsinki umsteigen. Das Flugzeug nach Helsinki war erheblich verspätet, sodass es nicht sicher war, dass ich meinen Anschlussflug noch erreichen würde. Zum Glück war aber das andere Gate verständigt worden, und da der Flughafen Helsinki eher überschaubar ist, schaffte ich es nach einem beherzten Sprint genau rechtzeitig ans Gate, als gerade mit dem Boarding begonnen wurde. Das Intervalltraining hatte ich somit bereits absolviert! :)

Bereits auf dem Flug nach Japan wurden wir mit soba bewirtet, und ich kam mit einer Japanerin neben mir ins "Gespräch". In einem Mischmasch aus Japanisch und Englisch kommunizierten wir miteinander. Zum Glück funktionierte es in Kombination mit Zeichensprache ausreichend gut, um sich über die wichtigsten Dinge des Lebens zu unterhalten.

In Osaka wurde ich von meiner Brieffreundin Mayu und ihrem Mann Hiroaki in Empfang genommen. Zehn Jahre lang (!!) hatten wir uns nicht gesehen! Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten riesengroß. Wenig später saßen wir auch schon in Hiroakis Auto und waren unterwegs nach Matsusaka zu Mayus Elternhaus. Während der dreistündigen Fahrt nutzte ich die Gelegenheit, um ein kleines Nickerchen zu machen. In Japan war es warm und schwül, was mir vor allem kurz nach der Ankunft sehr zu schaffen machte.

Bevor wir bei Mayu angekommen waren, machten wir einen Zwischenstopp bei einer Sobaya. Ich lernte dort, wie man die Buchweizennudeln richtig isst, und genoss ein wunderbares Mittagessen. Wenig später waren wir bei Mayus Elternhaus angekommen.

Es war eine tolle Erfahrung für mich, Mayus Eltern kennenzulernen und in diesem traditionellen Haus wohnen zu dürfen. Wie in allen japanischen Wohnungen ist der Eingangsbereich (genkan) vom Wohnbereich baulich getrennt. Man zieht sich Hausschuhe an und darf dann den Wohnbereich betreten. Es wird viel Holz verwendet, traditionell auch Papier und am Boden die "tatami"-Bambusmatten. Für einen WC-Besuch zieht man speziell dafür gedachte Toilettenschlapfen an und schlüpft nachher wieder in die Hausschuhe. Auch der traditionelle japanische Garten war wunderschön.

Rund um Mayus Elternhaus sieht man sehr viele Reisfelder, Berge, Siedlungen und es ist sehr idyllisch. Ein Tempel ist auch in der Nähe. Es war sehr schön, dort zu laufen, auch wenn man dort nur auf dem Asphalt laufen konnte.

Abends waren wir in einem französischen Restaurant, bei dem ich als Nachspeise ein Grüntee-Dessert mit einer Art Grünteepudding und Grüntee-Eis wählte - köstlich. Auch das Frühstück am folgenden Tag war ausgezeichnet: von Mayus Mutter selbstgemachtes japanisches Omelette (tamagoyaki), frische Paradeiser, Miso-Suppe, eingelegte Gurke, grüne Paprika, Reis ... sehr gesund und köstlich.

Mayus Vater chauffierte uns nach Nara, einer Stadt, die für ihre Tempel berühmt ist. Wir besuchten den Todaji-Tempel, in dem die berühmte Daibutsu-Statue steht, die einst komplett mit Gold überzogen war. Total herzig sind die Rehe im Park, die sehr zutraulich sind, weil sie als Boten Gottes gelten und daher nicht abgeschossen werden dürfen. Sie betteln um Futter, und manche verbeugen sich sogar vor den Besuchern, vermutlich, weil sie darauf trainiert wurden. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen mit somen-Nudeln, typisch für die Gegend um Nara, waren wir im Kasuga Taisha Shrine. Dieser wurde gerade renoviert, was ein besonderer Anlass ist, da dies alle 20 Jahre stattfindet. Ich bekam ein Buch, in dem Japaner alle ihre Besuche bei einem Tempel vermerken können. Kalligraphie und ein offizieller Stempel im Buch belegen, dass man diesen oder jenen Tempel besucht hat. Außerdem wählte jeder von uns eine Weissagung, die auf einer Papierrolle stand und von einem kleinen Holz-Reh im Mund gehalten wurde. Dieses Holz-Reh wurde von meiner Freundin Mayu und mir auf den Namen "Nau-shika" getauft. Der Name kommt aus der Geschichte "Nausicaa and the Valley of the Wind" von Studio Ghibli. Nau heißt soviel wie Sommer und Regen (wenn man die richtigen Kanji dafür nimmt), und "shika" heißt soviel wie Reh. Sie hat sich natürlich sofort mit ihren Kollegen aus Schweden, Elchkil und Gwelcholin, angefreundet. Später hatten sie ein gemütliches Gespräch zu dritt in Mayus Zimmer.

Abends haben wir gemeinsam Takoyaki gekocht. Das sind Teigbällchen mit variierender Füllung. Zunächst haben wir aus Mehl, Wasser und Eiern den Teig angerührt. Dann wird in ein spezielles Bratgerät mit gefetteten Hohlräumen in Form von Halbkugeln ein bisschen Teig gegossen. Während der Teig gebacken wird, streut man Salat und Tempura-Brösel auf den Teig und gießt etwas Teig nach. Nun wird ein Stück Oktopus, Garnele, Wurst, Käse oder Ähnliches in die Mitte des Bällchens gesetzt. Mit einem Stäbchen sticht man in den bereits garen Teig und wendet das Gebilde. Schließlich wird daraus ein schmackhaftes Kügelchen, das mit ein bisschen Algen und Sauce gemeinsam verzehrt wird. Es hat uns ausgezeichnet geschmeckt!

Am kommenden Tag nahmen wir den Zug nach Toba ans Meer. Dort war es wunderschön! Der Ausblick vom Hotel war fantastisch. Das Hotel ist ein Spa, und natürlich kann man auch schwimmen gehen. Interessanterweise können die meisten Japaner aber nicht schwimmen, sondern nehmen eine Luftmatratze und planschen im Wasser. Daher hatte ich das ganze Meer für mich alleine! Es war großartig. Wunderschöner Strand, auf dem man zwischendurch herrlich entspannen konnte. Großartig. Auch das Frühstück am nächsten Tag war sensationell. Selbstgemachtes Omelette, warme japanische Küche, kalte europäische Küche, Müsli - für jeden Geschmack war etwas dabei. Großartig! Natürlich durfte vor dem Frühstück ein Morgenlauf und Morgenschwimmen nicht fehlen. Beides war herrlich.

Abends besuchten wir eine kareeya, bei der ich mein erstes japanisches Curry probierte. Man bekommt Reis und Currysauce serviert, die zum Beispiel durch frittierte Shrimps ergänzt wird. Das Curry ist anders als "westliches" Curry, vermutlich milder. Auf jeden Fall war es ausgezeichnet.

Tags darauf besuchten wir Meoto-iwa, wörtlich "den Ehepaarfelsen". Dort gibt es einen Schrein und man hat einen wunderbaren Blick auf das Meer. Gleich im Anschluss daran fuhren wir mit dem Auto die sogenannte Skyline entlang. Der Ausblick auf dem höchsten Punkt über die Umgebung ist großartig. Das Genialste ist, dass man dort oben seine Füße in ein ashiyu, warmes Thermalwasser, tauchen und dabei den wunderschönen Ausblick genießen kann. Ein absolut empfehlenswertes Erlebnis!

Außerdem waren wir beim Isse Jingu Shrine in der Nähe von Matsusaka, einem großen Schrein. Es gibt dort nette Einkaufsmöglichkeiten und ein Café, in dem wir eine wunderbar erfrischende Pause genießen konnten. Bei der im japanischen Sommer vorherrschenden Hitze lange herumzuspazieren, kann sehr anstrengend sein. Ein Abstecher ins klimatisierte Kaffeehaus bei Kaffee und Kuchen hilft da enorm.

Abends waren wir in einer sushiya mit ausgezeichnetem Essen. Ein Sushi mit diesen Spezialitäten und in dieser Qualität ist in Österreich nur sehr schwer zu bekommen. Unter anderem probierte ich erstmals Seeigel, Aal, Fatty Tuna, Red Snapper, "shako" (eine Art Garnele), Ika (eine Art Oktopus), Tiefseegarnelen und weitere Köstlichkeiten. Danach fielen wir erschöpft ins Bett.

Trotz Duschen war man fast permanent am Schwitzen und es war eine Herausforderung, bei dem schwülen warmen Wetter zu schlafen. Mit der Zeit kann man sich ein bisschen daran gewöhnen, aber wirklich angenehm ist es nicht. Ich habe in dieser Zeit den Segen kalter Duschen zu schätzen gelernt!

Ich packte meine Sachen, und wir machten uns auf den Weg nach Moriyama, wo Mayu aktuell mit Hiroaki wohnt. Unterwegs blieben wir immer wieder bei 7-Eleven oder anderen convenience stores stehen. Ähnlich wie beim Greißler am Land gibt es hier alles von Grüntee über einen Bankomaten bis zu kleinen Snacks (am liebsten hatte ich mit der Zeit verschiedene Arten von onegiri), Kaffee und dergleichen.

In Moriyama angekommen, musste ich natürlich sofort ein Foto vom tollen Rennrad von Hiroaki machen. Von der Wohnung braucht man praktischerweise nur wenige Minuten zum Bahnhof. Mittags aßen wir in einer Ramenya, ehe wir uns auf den Weg nach Kyoto machten.

In Kyoto besuchten wir ein traditionelles Teehaus, in dem früher oft Empfänge abgehalten wurden, mit einer wunderschönen Aussicht, und besuchten die ehemaligen kaiserlichen Gebäude (von außen). Später besuchten wir den Monkey Park in Arashiyama. Dort leben Affen auf einem Berggipfel, die sich von den Besuchern gerne füttern lassen. Die Aussicht auf Kyoto ist vom Berggipfel aus sensationell. Ich genoss das wunderschöne Abendlicht im Park.
Den Abend rundete schließlich eine Bootsfahrt ab. Dabei saßen wir in einem Boot, wie es früher für den Fischfang mit Hilfe von Kormoranen verwendet wurde. Diesen wurde der Hals zugebunden, damit sie die Fische nicht selbst schluckten. Etwas traurig stimmte mich, dass immer noch Tiere dazu eingesetzt werden, um den Touristen die Praxis von damals vorzuführen: mit Feuer werden die Fische angelockt, die glauben, es handle sich um die Sonne, ehe die Vögel zuschnappen. Nach einem Zwischenstopp in einer Bahnstation, in der Kimono-Stoffe rund um Leuchtröhren gewickelt ausgestellt wurden, und einem Abendessen in einem japanischen Burgerlokal, gingen wir schlafen.

Tags darauf stand das nächste Abenteuer am Programm. Zunächst fuhren wir zur Akashi Kaikyo Ohashi. Dies ist die längste Hängebrücke weltweit: stolze 3911 m lang. Wir haben sie mit dem Auto überquert. Von einem nahegelegenen Aussichtspunkt kann man die Brücke gut betrachten. Wir haben dort auch zu Mittag gegessen: Curry mit Fleisch und Zwiebeln aus der Umgebung.

Der nächste Punkt im Programm war ein Besuch der Naruto-Meeresenge, einer der weltweit größten Malströme. Zunächst genossen wir die Aussicht von der Brücke auf das Meer und die Strömungen. Es war ein wunderschöner Ausblick, jedoch konnte man von den Wirbeln noch nicht viel sehen, da diese noch nicht am Maximum ihrer Ausprägung waren. Am stärksten sind sie im Frühjahr sowie zu Voll- und Neumond. Die Mondphase hatten wir günstig gewählt. Richtig spannend wurde es, als wir mit einem Boot in die Nähe der Wirbel fuhren, um diese aus nächster Nähe beobachten zu können. Für mich war es ausgesprochen faszinierend, in Echtzeit zu beobachten, wie sich diese Wirbelströme bildeten und wieder auflösten. Ein absolut spannendes Naturschauspiel, sehr beeindruckend. Tokushima ist übrigens auch für Süßkartoffel bekannt.

Tags darauf reiste ich zum ersten Mal mit dem Shinkansen, gemeinsam mit Mayu. Von Kyoto aus fuhren wir mit dem Shinkansen nach Hiroshima, wo ich die Brieffreundin meiner Mutter, Chieko, besuchte. Obwohl meine Mutter und Chieko bereits seit 1962 ihre Brieffreundschaft pflegen, haben sie sich noch nie im realen Leben getroffen. So war ich die erste, die mit Chieko und ihrer Familie Bekanntschaft schließen konnte. Am Bahnhof in Hiroshima wurde ich von Chieko, ihrem Mann Kazunori und ihrer älteren Tochter Miwa begrüßt, und Mayu reiste retour Richtung Moriyama.

Die Kommunikation war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Kazunori spricht gar kein Englisch. Chieko kann ein bisschen Englisch sprechen, aber manchmal nimmt sie ein elektronisches Wörterbuch zu Hilfe. So hat es ganz gut geklappt. Auch Chiekos Haus in Mihara ist sehr traditionell eingerichtet und besteht zum Großteil aus Holz, was sehr schön aussieht. Im Wohnzimmer und in meinem Gästezimmer hingen überall Fotos: von Chiekos Kindern und Enkelkindern, aber auch von meiner Mama, meiner Schwester, meiner Nichte und mir. Das Mittagessen war wunderbar. Danach machte ich ein kleines Schläfchen im angenehmerweise klimatisierten Gästezimmer, bevor das Abendessen am Programm stand.

Abends gab es ein großes Familientreffen. Chieko und ihr Mann, ihre beiden Töchter und deren Ehemänner sowie die drei Enkelkinder, sprich: die ganze Familie, waren anwesend. Es gab gebratene Reisbällchen, Sushi und zum Abschluss verschiedene Eissorten, zum Beispiel Grüntee und Mango. Alles ausgezeichnet. Eine Foto-Session durfte natürlich auch nicht fehlen. Nach dem Abendessen sah ich mir noch mit Chieko eine vom japanischen Fernsehen gedrehte Reportage an, in der ein Japaner durch Österreich fährt und dort allerlei Entdeckungen macht. Es war sehr interessant.

Am folgenden Tag fuhren wir nach Hiroshima. Eine wunderschöne Stadt. Hätte man nicht den Atomic Dome stehen gelassen, würde ein Nichtsahnender heute nicht mehr erahnen können, dass hier einst die verheerende Little Boy abgeworfen wurde. Wir besuchten den Memorial Park und die Ausstellung über die Auswirkungen der Atombombe. Ich hatte zuvor nicht gewusst, dass so viele junge Leute Opfer der Bombe geworden waren, und dass "nur" 1/50 der Bombe eine radioaktive Kettenreaktion durchlief. In Verbindung mit den sehr persönlichen Geschichten und Einzelschicksalen der Opfer war der Besuch ein mir sehr nahe gehendes Erlebnis. Alle Politiker sollten das Museum besuchen, um zu lernen, dass Atombomben nie eine Lösung sein können. Im Park sind neben der Liste der Opfer die Flamme des Friedens, die erst erlöschen wird, wenn es auf der Welt keine Nuklearwaffen mehr gibt, und ein Denkmal für Sadako Sasaki zu sehen.

Zu Mittag kehrten wir in einem Restaurant ein, in dem wir Okonomiyaki genossen. Nudeln, Ei, Lauch, Fleisch und was das Herz begehrt wird gemeinsam vorbereitet und auf einer Wärmeplatte gehalten, von der man sich dann kleine Häppchen abschneidet.

Nach dieser ausgezeichneten Stärkung nahmen wir eine Fähre und besuchten den Itsukushima Shrine. Leider war Ebbe - er sieht am beeindruckendsten bei Flut aus, weil die Optik dann vermittelt, der Shrine würde auf dem Wasser schweben. Auch hier trafen wir einige Rehe an. Ich war glücklich über den erfrischenden Regen. In einem Kaffeehaus in der Nähe genoss ich einen matcha latte.

Am nächsten Tag ging ich wie schon am Tag zuvor rund um Mihara laufen. Kazunori begleitete mich auf dem Motorrad und suchte eine wunderschöne Laufroute aus, zwischen Feldern und mit Blick auf die Berge. Wir sahen sogar einen Profi-Radfahrer, der ebenfalls gerade seine morgendliche Trainingsrunde absolvierte, und shirasagi und eine Biberratte, auch Nutria genannt (invasive Spezies). Danach reisten wir mit einer Fähre von Insel zu Insel und genossen die Aussicht vom Meer. Unterwegs besorgten wir das Mittagessen, das diesmal aus verschiedenem Gebäck bestand. Wir besuchten Chiekos jüngere Tochter Akiko in Onomichi und genossen dort unsere Einkäufe: scones, Grüntee-Bagels mit schwarzen Bohnen, Croissants mit Speck und Edamame. Alles köstlich.

Am Nachmittag nahm ich den Shinkansen zurück nach Kyoto, wo mich Mayu abholte. Am folgenden Tag reisten wir mit dem Shinkansen nach Tokyo. Die Entfernungen sind durchaus beeindruckend. Man reist mit einem über 300 km/h schnellen Zug immer noch gute zweieinhalb Stunden, um Tokyo zu erreichen. Die Shinkansen-Tickets sind übrigens sauteuer, etwa 140 € in eine Richtung für die Strecke Kyoto-Tokyo, wenn man spontan bucht.

In Tokyo sah ich Geschäfte, in denen aus Zucker kunstvoll Fische nachgebildet werden bzw. in denen Essens-Attrappen hergestellt werden, eine japanische Tradition. Dort wurde alles nachgebaut, von Garnelen bis zu verschiedenen Eissorten. Restaurants stellen diese Attrappen, die täuschend echt wirken, gerne am Eingang aus.

Zuvor hatte ich zu Mittag Yoshito, kurz Yoshi, der im japanischen Zweig derselben Firma, für die mein Vater arbeitet, angestellt ist. Wir hatten ein Potpourri aus verschiedenen japanischen Köstlichkeiten. Neu war dabei für mich eine Art salziger Eipudding, der die Konsistenz von Pudding hatte, aber aus Ei bestand und eher salzig war.

Am Nachmittag besuchten wir den Skytree. Von dort hat man einen wunderbaren Ausblick über ganz Tokyo. Speziell die Abendstimmung ist wunderschön. Auch eine Hello Kitty-Figur im Kimono habe ich gesehen. Abends aßen wir in der Nähe des Skytrees. Ich überlegte, in der Nacht fortzugehen und den Club zu besuchen, in dem Eskil vor einigen Jahren gemeinsam mit Svein-Joar von Pride and Fall und Kenji von einer japanischen Futurepop-Band aufgetreten war. Die Clubadresse hatte ich zwar ausfindig gemacht, aber es wirkte leider so, als würden diese Gothic-Clubnächte nur an ein paar wenigen Tagen im Monat veranstaltet werden - nur nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Daher fuhr ich nicht zum Club und habe es auf meine To Do List gesetzt, falls mein Timing bei meinem nächsten Besuch in Tokyo günstiger sein sollte.

Gut ausgeruht für den kommenden Tag besuchten wir den königlichen Palast in Tokyo, konnten aber leider hauptsächlich die Gärten und ein wenig von den könlglichen Gebäuden sehen, aber weder das Areal der Paläste betreten, noch die Paläste von innen sehen. Auf der Homepage war dazu nichts ausgeschrieben worden. Angesichts der extremen Hitze war dies aber ohnehin eher ein Segen, "Sightseeing light" zu machen. Mittags war ich kaum hungrig. Wir besuchten die Hachiko-Statue im Bahnhof Shibuya, ein beliebter Treffpunkt. Dazwischen suchte ich auch nach Synthpop und Alyssa Milano CDs für Georg und Oliver. Für Georg fand ich zwar einiges an Kraftwerk, aber Olivers Wünsche waren leider nirgendwo aufzutreiben.

Auf der Rückreise mit dem Shinkansen fotografierte ich aus dem Zug. In Kyoto leuchtete der Kyoto Tower im Nachthimmel, den ich aber nicht besuchte.

Am kommenden Vormittag fuhr ich allein nach Kyoto, was zum Glück einfacher ging als erwartet. Dort ging ich zum Inari Shrine, wohl der größte Shrine Kyotos. Als waschechter Österreicher konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, bis auf den Berggipfel des Mt. Inari zu pilgern. Dort sind weniger Touristen, und man hat ein bisschen mehr Ruhe im Shrine am Berggipfel, um einen Moment innezuhalten. Auf dem Weg nach unten wurde ich Zeugin einer seltenen Zeremonie einer Gruppe namens "Jinga". Zunächst betete diese Gruppe, in traditionellen Gewändern. Ein Vorbeter sang einen charakteristischen Singsang mit einem endlosen Wortschwall, während alle anderen hin und wieder bestimmte Worte wiederholten, oder die Gruppe dazwischen gemeinsam etwas sang. Später folgte Tanz mit traditionellen japanischen Musikinstrumenten: Flöte, Shamisen, Trommeln und so weiter begleiteten Tänzerinnen in traditionellen Kleidern, rosa mit grüner Schürze, die einen Fächertanz darboten. Zwei Tänzer trugen Drachenmasken und führten "kriegerische" Bewegungen mit ihren Schwertern aus, um im richtigen Moment ein "HAAAA!" von sich zu geben. Es war ein sehr spannendes Spektakel. Irgendwann trennte ich mich aber davon, um meine Freundin Mayu nicht zu lange warten zu lassen.

Gestärkt durch eine Onegiri-Jause ging es am Nachmittag zum Biwa-See, dem größten See Japans. Hier urlauben mehr Inländer als Ausländer. Wir besuchten einen Shrine, von dem aus man einen wunderschönen Ausblick auf den riesengroßen See hat. Leider ist das Wasser dort komplett veralgt, sodass man in großen Gebieten des Sees leider nicht schwimmen gehen kann. Es wird aber tendenziell besser mit der Wasserqualität. Abends aßen wir Udon. Ich wählte Tempura-Gemüse, Udon-Nudeln und dazu ein rohes (!!) Ei. Das Ei wird mit den Nudeln vermischt, Sojasauce wird auch hinzugefügt, und dann genießt man die Nudeln und das Tempura. Es war köstlich und sehr sättigend.

Am letzten Tag meines Aufenthaltes in Japan reisten wir nach Osaka. Dort hatte ich wiederum einen Tag für mich allein. Nach einem ausgezeichneten Mittagessen bemühte ich mich redlich, für Georg und Oliver musikalische Werke zu finden. Für Georg entdeckte ich die original Dentaku Vinyl Single. Trotz Abklappern von sechs verschiedenen japanischen Plattenläden gelang es mir jedoch nicht, ein Werk von Alyssa Milano zu finden. Nachmittags stattete ich noch dem Osaka Pool einen Besuch ab. Das war wunderschön. Es waren kaum Leute im Schwimmbecken. Ich hatte lange Zeit eine 50 m Bahn für mich alleine, bis irgendwann ein weiterer Schwimmer auf meine Bahn kam. In Wien bin ich froh, wenn nur vier Leute in meiner Bahn sind! Einfach genial. Danach deckte ich mich mit Joghurt, Onegiri und Edamame (köstlich) in einem convenience store ein und genoss den Ausblick vom Hotel auf Osaka.

Tags darauf brachte mich meine Freundin Mayu zum Flughafen. Die Zeit war unglaublich rasch vergangen! Wir genossen noch ein gemeinsames Frühstück, bevor wir uns endgültig Lebwohl sagen mussten. Vor der Security Kontrolle stehen Pflanzen, die man mit den vergessenen Flüssigkeiten gießen kann. Ich frage mich nur, ob die Alkohol gut vertragen, haha.

Meine Flüge waren pünktlich, und in Helsinki gönnte ich mir einen Kaffee und einen Blick in die aktuelle Sound on Sound Ausgabe, ehe es retour nach Wien ging. Coolerweise gab es auch eine schwedische Zeitung an Bord von Finnair, sodass ich ein bisschen Schwedisch üben konnte.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Ein Buddy, ein guter Buddy...

Seit kurzem bin ich Buddy im Buddysystem der TU Wien. Zusammen mit meinem TU-Kollegen Felix bin ich als alteingesessener TUler dafür verantwortlich, Fragen unserer fünf zugeteilten Erasmus-Austauschis zu beantworten und ihnen den Einstieg hier auf der TU Wien zu erleichtern. In Folge werde ich über meine Buddy-Erfahrung sowie Unternehmungen mit Freunden aus Wageningen hier berichten.

Letzte Woche Freitag habe ich mich mit Urban und Ana im Café Nelsons getroffen. Nächstes Mal wollen Ronny und Alexandra auch vorbeischauen.